Weizengrassaft hat sich als nährstoffreiches Superfood etabliert. Als Ernährungsexperte klären wir, welche Inhaltsstoffe enthalten sind, welche Vorteile es bietet und ob der Hype gerechtfertigt ist.
Weizengrassaft aus den Jungtrieben des heimischen Weichweizens (Triticum aestivum), auch Brotweizen genannt, ist seit den 1990er Jahren in den USA beliebt und gewinnt auch in Deutschland an Popularität. Dieses Gras der Süßgräser-Familie, eine der ältesten Kulturpflanzen (seit mindestens 2700 Jahren in Eurasien angebaut), wird geerntet, bevor Knoten in den Blättern entstehen, und gepresst.
Als Superfood verspricht es eine Fülle an Vitaminen, Mineralstoffen und Chlorophyll – dem Pflanzenfarbstoff, der ihm den Spitznamen „grünes Blut“ einbringt, dank seiner strukturellen Ähnlichkeit zu Hämoglobin.
Inhaltsstoffe von Weizengrassaft: Vitamine, Mineralien und mehr
Die Nährstoffe variieren je nach Standort, Boden und Erntezeit. Typische Inhaltsstoffe umfassen:
Vitamine:
- Provitamin A (Carotinoide)
- Vitamin B2 (Riboflavin)
- Vitamin B3 (Niacin)
- Vitamin B5 (Pantothensäure)
- Vitamin B6
- Folsäure (Vitamin B9 oder B11)
- Vitamin C
- Vitamin D
- Vitamin E
- Vitamin K
Hinweis: Trotz mancher Behauptungen enthält Weizengras nur wenig Vitamin B12.
Mineralstoffe und Spurenelemente:
- Eisen
- Kalium
- Calcium
- Kobalt
- Kupfer
- Magnesium
- Natrium
- Phosphor
Zudem reich an Aminosäuren wie Alanin, Histidin, Methionin und Lysin, die freie Radikale bekämpfen und Proteinaufbau fördern. Mit rund 20 % Eiweiß eignet es sich auch als Tierfutter.
Enthält Weizengras Gluten?
Nein – trotz Weizenursprung ist es glutenfrei und für Zöliakie-Betroffene geeignet.
Weizengrassaft bei Verdauungsproblemen und Magen-Darm-Erkrankungen
Weizengrassaft unterstützt die Verdauung durch Enzyme, die Nahrung spalten. Der Körper produziert diese normalerweise selbst via Bauchspeicheldrüse, wie das Harvard Health Journal betont. Eine Ergänzung ist nur bei Erkrankungen wie chronischer Pankreatitis oder Mukoviszidose sinnvoll.
Bei Colitis ulcerosa kann 100 ml täglich Symptome wie Schmerzen, Durchfall und Blutungen lindern, wie eine Pilotstudie zeigt. Er ersetzt jedoch keine ärztliche Behandlung.
Antioxidantien in Weizengrassaft: Schutz vor oxidativem Stress
Reich an Antioxidantien neutralisiert Weizengrassaft freie Radikale aus Stress, ungesunder Ernährung oder Rauchen, die zu oxidativem Stress und Zellschäden führen können. Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen schützende Proteine darin.
Weizengrassaft und Krebs: Unterstützung durch Chlorophyll?
In-vitro-Studien (2017) deuten auf eine Hemmung der Krebszellteilung bei Mundhöhlenkarzinomen hin. Eine chinesische Studie zeigt, dass Chlorophyll Aflatoxine (Leberkrebsauslöser) ausspült. Effekte beim Menschen sind nicht abschließend bewiesen. Es stärkt Immunsystem und Entgiftung.
Weizengrassaft: Pulver, frisch oder selbst anbauen?
Frisch gepresst ist nährstoffreicher, aber verderblich. Pulver (100 % bio, jung getrocknet) lagert länger; erhältlich online, z. B. als Mix mit Milchdistel bei Avocadostore. Anbau-Tipps hier; Saft in Reformhäusern oder Bio-Supermärkten.
Nehmen Sie es vor Mahlzeiten (30 Min. warten), um Übelkeit zu vermeiden. Starten Sie mit 20 ml, steigern auf 100–200 ml. Bei Entgiftungseffekten möglich: Übelkeit, Kopfschmerzen, Durchfall. Nicht pur essen wegen hoher Ballaststoffe.
Weizengrassaft: Wundermittel oder Hype? Die Expertenmeinung
Weizengrassaft liefert Vitamine, unterstützt bei Entzündungen und Stressprävention. Laut Dr. Stephanie Seifert (Max Rubner-Institut) ist Chlorophyll schlecht verwertbar und wird größtenteils ausgeschieden. Gemüse wie Brokkoli (100 mg Vitamin C/100 g vs. 97 mg in Saft) ist effizienter und magenschonender.
Verarbeitung reduziert Nährstoffe; Schadstoffe in Produkten möglich. Mehr: Gerstengras und Weizengras: bringen nicht viel und schmecken kaum.
Fazit: Als Ergänzung zur ausgewogenen Ernährung wertvoll, aber kein Ersatz.