Bestimmte Konservierungsstoffe in Lebensmitteln werfen Fragen zur Sicherheit auf. Als Experten mit fundiertem Wissen zu Zusatzstoffen klären wir: Welche der in Deutschland und der EU zugelassenen Stoffe bergen echte Risiken?
Sie finden sich in Wein, Limonade, Käse und vielen Alltagsprodukten: Konservierungsstoffe. In der EU sind derzeit 41 Mittel zugelassen – zu viele, um sie im Supermarkt im Blick zu behalten. Warum sind sie überall? Und welche sind problematisch?
Konservierungsstoffe verlängern die Haltbarkeit von Lebensmitteln
Diese Stoffe hemmen Mikroorganismen und machen Nahrungsmittel haltbar. In der EU sind sie als E-Nummern gekennzeichnet – das „E“ steht für Europa.
Schwefeldioxid (E 220) und Sulfite (E 221 bis E 224 und E 226 bis E 228)
Schwefeldioxid und Sulfite stecken hauptsächlich in Weißweinen, Trockenfrüchten sowie Kartoffelprodukten wie Pommes oder Püree. Im Wein verursachen sie oft Kopfschmerzen und Übelkeit am nächsten Tag.
Allergiker müssen aufpassen: Reaktionen umfassen Juckreiz, Verdauungsstörungen oder Atemnot. Für Asthmatiker kann eine Sulfit-Allergie lebensbedrohlich werden – bis hin zu anaphylaktischem Schock mit Atem- und Kreislaufversagen.
Zudem zerstören Schwefelverbindungen Vitamin B1 (Thiamin), das für Nervenfunktionen essenziell ist.
Natamycin (E 235) – Ein Antibiotikum als Konservierungsstoff
Natamycin dient in Deutschland nicht nur als Konservierungsstoff, sondern auch als Arznei gegen Hautpilze. Toxikologe Dr. Hermann Kruse warnte an der Christian-Albrechts-Universität Kiel: Arzneien gehören nicht in die Nahrung, da Resistenzen drohen.
Es schützt gereiften Käse und Wurstwaren vor Schimmel. Tipp: Schneiden Sie Rinde und Hülle großzügig ab. In Bio-Produkten ist E 235 verboten.
Kaliumnitrit (E 249) und Natriumnitrit (E 250)
Nitrite sind nur für gepökelte Fleischwaren, Speck und Leberpasteten zugelassen – gegen gefährliche Bakterien.
Sie stören jedoch den Sauerstofftransport im Blut, besonders riskant für Babys. Beim Braten über 130°C entstehen Nitrosamine, die DNA schädigen und Krebs fördern können.
Mit Sorbinsäure (E 200) zusammen bilden sie beim Erhitzen genotoxische Stoffe. Bioland und Demeter verzichten darauf.
Natriumnitrat (E 251) und Kaliumnitrat (E 252)
Nitrate sind natürlich in Pflanzen, werden aber zu Nitriten und Nitrosaminen umgewandelt. Sie dienen nur dem Pökeln.
Die Hauptquelle für Nitrite/Nitrate ist Trinkwasser und Gemüse, nicht primär diese E-Nummern. Mehr dazu in unserem Artikel zu Nitrat in Wasser und Lebensmitteln.
Benzoesäure (E 210) und Salze (E 211 bis E 213)
In Limonaden, Ketchup, Marmelade und mehr: Benzoesäure und Salze wie Natriumbenzoat (E 211).
Regelmäßige Aufnahme kann Verdauungskrämpfe, Nervenstörungen oder Hyperaktivität bei Kindern verursachen. E 211 beschädigt möglicherweise DNA und Mitochondrien.
Mit Vitamin C (E 300) entsteht krebserregendes Benzol. Gleiche Risiken bei E 214, E 215, E 218, E 219.
Propionsäure (E 280) und Salze (E 281 bis E 283)
In Brot, Kuchen und Keksen: Propionsäure gegen Schimmel. In Deutschland lange verboten wegen Tumoren bei Ratten. Seit 1996 EU-zugelassen, da Menschen keinen Vormagen haben.
Orthophenylphenol (E 231) und Natriumorthophenylphenolat (E 232)
Schützen Zitrusfrucht-Schalen vor Pilzen und Bakterien, auch als Pflanzenschutz. Verdacht auf Allergien.
Hexamethylentetramin (E 239)
Wirkt über Formaldehyd-Freisetzung (krebserregend). Nur in Provolone-Käse in Minimalmengen erlaubt.
Borsäure (E 284) und Borax (E 285) – nur noch für Kaviar
Anreichern sich im Körper, verursachen Durchfälle und Organschäden. Früher zu Vergiftungen geführt.
Phosphorverbindungen (E 338 bis E 341, E 450 bis E 452, E 540, E 543, E 544)
Als Antioxidationsmittel in Pizza, Babynahrung, Cerealien und Cola. Das Deutsche Ärzteblatt warnt: Vermeidbares Risiko für Herzkrankheiten, Gefäßverkalkung – lebensgefährlich bei Nierenpatienten.
Unbedenkliche Alternativen
Sichere Stoffe: Acetate (E 261-263), Milchsäure (E 270), CO₂ (E 290), Apfel- (E 296) und Fumarsäure (E 297). Natürlich und gut verstoffwechselbar. Für Babynahrung nur L(+)-Milchsäure.