Das Kürzel „kbT“ steht in der Textilbranche für „kontrolliert biologische Tierhaltung“. Es garantiert, dass bei der Produktion des gekennzeichneten Produkts keine Tiere unnötig leiden mussten – weder in der Haltung noch bei der Gewinnung der Rohstoffe wie Wolle. Als Experten für nachhaltige Textilien erklären wir Ihnen, was genau hinter diesem vertrauenswürdigen Label steckt.
Das kbT-Label finden Sie vor allem auf Kleidung und Heimtextilien aus tierischen Fasern. Kontrolliert biologische Tierhaltung bedeutet für Ihren kuscheligen Wollpullover: Die Schur erfolgte schmerzfrei und artgerecht. Es gilt nicht nur für Wolle, sondern für alle tierischen Materialien. Bei pflanzlichen Fasern wie Baumwolle steht stattdessen kbA für kontrolliert biologischen Anbau.
Warum das kbT-Label so wichtig ist
Wolle ist ein natürliches Material, doch das schließt tierleidvolle Praktiken nicht aus. Organisationen wie PETA berichten von harten Realitäten: Schafe erleiden bei der Schur oft blutende Wunden durch stumpfe Werkzeuge. Angoraziegen und -kaninchen werden brutal gerupft. Merinoschafe werden häufig dem Mulesing unterzogen – einer schmerzhaften Entfernung von Hautfalten am Hinterteil, oft ohne Betäubung, um Myiasis vorzubeugen. In der EU und Neuseeland ist Mulesing verboten; Alternativen wie verbesserte Hygiene sind machbar, wie das Wissensmagazin Quarks erläutert.
Siehe auch: Nachhaltige Wolle: Das musst du wissen
Anforderungen an die kontrollierte biologische Tierhaltung
Die Standards sind europaweit in der EU-Verordnung für ökologischen Landbau (EU-Öko-Richtlinie 2018/848, Teil II) geregelt. Die Initiative „Tierwohl stärken“ fasst die Kernpunkte zusammen:
- Artgerechte Haltung ohne Massentierhaltung oder Verstümmelungen wie Mulesing.
- Ställe, die den Bedürfnissen der Tiere entsprechen: ausreichend Platz, geeigneter Boden und Streu, idealerweise Freilauf.
- Regelmäßige Reinigung der Ställe.
- Dokumentation von Herkunft, Futter und tierärztlicher Versorgung.
- Verbot chemisch-synthetischer Pestizide.
- Schonung von Weiden gegen Bodenerosion durch Zertrampeln oder Abweiden.
Vom Hof zum kbT-Label auf Ihrem Pullover
Die EU-Öko-Richtlinie bildet die Basis für alle Bio-Produkte, inklusive des geschützten „kbT“-Labels und des EU-Bio-Siegels. In Deutschland überwacht das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) akkreditierte Kontrollstellen.
kbT erfordert lückenlose Nachverfolgung von Futter bis Rohstoff. Auch importierte Wolle qualifiziert sich, wenn der Herkunftsbetrieb EU-Standards einhält. Das Label sagt nichts zur Weiterverarbeitung – hier ergänzen Textilsiegel wie GOTS (mind. 70 % kbT-Wolle) oder IVN-Best (100 % kbT). Diese führen eigene Kontrollen durch und gewährleisten umfassende Tier- und Umweltschonung, wie das Informationsportal Ökolandbau.de bestätigt. „kbT in Umstellung“ markiert Betriebe im Bio-Übergang.