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5 Wege, wie Mahlzeiten Ihre psychische Gesundheit stärken – Tipps von Dr. Edith Eger, Psychologin und Auschwitz-Überlebende

Essen hat schon immer die Kraft gehabt, mir Trost und Freude zu spenden. Sogar im Grauen von Auschwitz, wo wir von dünner Brühe und Brotkrusten lebten, entwarfen wir in unseren Gedanken üppige Festmahle. Wir diskutierten hitzig, wie viel Kümmel ins perfekte Roggenbrot gehört oder wie viel Paprika in ungarisches Gulasch – priesen Zutaten und stellten uns jede Zubereitungsschritt vor. Trotz Hunger, Kälte und der ständigen Todesangst tauchten wir in diese Erinnerungen ein, besänftigt von den Düften von Gewürzen, Gemüse, Fleisch, Obst und Desserts.

In diesen Momenten waren wir wieder im Leben voller Liebe und Genuss. Diese Speisen nährten uns bereits damals seelisch. Ich schwor mir: Sollte ich dieser Hölle entrinnen, würde ich mein Zuhause mit der heilenden Kraft der Nahrung füllen.

Und ich entkam. Essen genießen bedeutet, das Leben zu umarmen.

Als ich mit meinem Mann und unserer kleinen Tochter Marianne nach Amerika auswanderte, war ich fest entschlossen, die Gerichte meiner Kindheit nachzukochen – jene, die meine Mutter zubereitete und die für mich Liebe und Wärme verkörperten. Als Überlebende und Mutter gewannen sie eine noch tiefere Bedeutung: Sie symbolisierten Freiheit, die Lebenskraft meiner Eltern und pure Freude.

Was mit einer Verbindung zur Vergangenheit begann, wurde zu einem Weg, die Gegenwart zu schätzen. Ich lernte die Aromen der amerikanischen Küche lieben und passe meine Rezepte entsprechend an. In meiner langjährigen Praxis als klinische Psychologin erkannte ich: Essen geht weit über körperliche Ernährung hinaus. Es nährt unsere mentale, emotionale und spirituelle Gesundheit. Der achtsame Umgang mit Mahlzeiten formt unser Denken, Fühlen und Handeln. Indem wir uns auf das konzentrieren, was uns trägt, und Freude daran finden, fördern wir Lernen, Wachstum und Mitgefühl.

5 stimmungsaufhellende Tipps für Ihren Alltag am Tisch

1. Führen Sie Gespräche.

Ich liebe Tischgespräche – kurz beim Frühstück, ausführlich beim Abendessen. Essen verbindet und öffnet Herzen: Wir teilen den Tag, Begegnungen oder Weltgeschehen. Manchmal ist es einfach guter Klatsch.

2. Kochen Sie immer extra Portionen.

Machen Sie mehr, um mit Freunden zu teilen oder fürs Mittagessen aufzubewahren. Hunger kommt unerwartet – seien Sie vorbereitet.

3. Lernen Sie aus Fehlern.

Im Kochen wie im Leben sind Missgeschicke Lehrmeister. Enttäuschung ist normal, doch nutzen Sie sie: Reflektieren Sie, passen Sie an und machen Sie weiter. So wachsen Sie emotional.

4. Machen Sie die Küche zu einem Verbündeten.

Viele scheuen die Küche, weil sie sich überfordert fühlen. Niemand wird über Nacht zum Profi. Starten Sie mit einfachen Rezepten aus Büchern oder online. Üben Sie, bitten Sie um Feedback – sehen Sie es als Geschenk an andere.

5. Feiern Sie jede Mahlzeit bewusst.

Jede Mahlzeit prägt Ihr Wohlbefinden. Wählen Sie Feier statt Hast: Ihre Haltung schafft Raum für Wachstum. Behandeln Sie Essen mit Liebe – das nährt Sie und alle um Sie herum.

Dieser Auszug stammt aus der aktualisierten Ausgabe 2022 von Das Geschenk: 14 Lektionen, um Ihr Leben zu retten von Dr. Edith Eger.