Auf einer Skala von eins bis absolut essenziell: Wie wichtig ist Ihnen die Konsistenz von Lebensmitteln? Manche Snacks lösen Ekel aus, weil sie zäh und unangenehm sind. Andere Texturen wiederum sehnen Sie herbei, weil das Beißen pure Freude bereitet. Viele sind gleichgültig.
Bei Menschen, die durch COVID-19 ihren Geruchs- und Geschmackssinn eingebüßt haben, beobachten wir jedoch einen klaren Trend hin zu Texturen – anekdotisch, aber auffällig. Die Vorlieben variieren je nach individuellen Essgewohnheiten.
Der Kern: Viele kompensieren fehlende sensorische Signale durch Mundgefühl. Die Frage ist: Werden texturreiche Lebensmittel künftig den Geschmack ersetzen?
Mit anderen Worten: Wird Textur zum neuen Geschmack?
Warum löst Nahrungskonsistenz bei manchen Begeisterung aus, bei anderen Abscheu?
Viele hatten schon vor COVID starke Texturpräferenzen – sei es Ekel vor fluffigen Rühreiern oder schleimiger Okra. Das Warum ist wissenschaftlich nicht vollständig geklärt, doch Experten vermuten Erinnerungen dahinter. Eine verbrannte Zunge in der Kindheit oder eine negative Reaktion eines Familienmitglieds kann jahrelang nachwirken, ohne dass man den Grund kennt.
Umgekehrt ziehen positive Kindheitserinnerungen zu knackigen Snacks manche an – das Knirschen stimuliert das Gehirn positiv.
„Es hängt mit der genetischen oder biologischen Verdrahtung zusammen“, erklärt die staatlich geprüfte Psychiaterin Dr. Anna Yusim. „Jeder ist einzigartig verdrahtet, ähnlich wie bei anderen Persönlichkeitsmerkmalen.“
So beeinflusst COVID-19 Geruch und Geschmack – und warum das zählt
Seit Pandemiebeginn leiden viele unter Anosmie (Geruchsverlust): 80 % der akut COVID-Infizierten sind betroffen, manche bis zu fünf Monate später. Parosmie (verzerrte Gerüche) und dauerhafte Beeinträchtigungen sind ebenfalls häufig – die CDC listet sie als Long-COVID-Symptome.
Betroffene berichten oft von unangenehmem Essen, das Angst auslöst. „Geruch ist eng mit der Stimmung verknüpft“, sagt Dr. Yusim. Forschung zeigt: Schlechter Geruchssinn erhöht das Depressionsrisiko und umgekehrt.
Dr. Uma Naidoo, Harvard-ausgebildete Ernährungspsychiaterin, Köchin, Ernährungsexpertin und Autorin von This Is Your Brain on Food, ergänzt: Gerüche gelangen direkt zu Emotions- und Erinnerungsarealen im Gehirn. Ohne sie verlieren Speisen ihre „magische Kraft“, wie den Duft von Morgenkaffee oder frischen Keksen.
Bei Long-COVID-Symptomen rückt die Lebensmitteltextur in den Fokus
Geruch und Geschmack sind verknüpft: „Geschmack entsteht primär durch Geruch“, betont Dr. Yusim. Viele greifen daher auf Textur zurück, um Speisen zu unterscheiden und das Gehirn zu stimulieren.
Obwohl direkte Studien fehlen, ist Sinneskompensation bekannt – Blinde entwickeln oft schärfere Hör- oder Tastsinne.
„Das Gehirn ist wie ein Muskel: Was Sie trainieren, wird stärker“, sagt Dr. Naidoo. Durch Neuroplastizität können Betroffene Texturen, Farben und Geräusche intensiver wahrnehmen.
Essen über Textur genießen: Praktische Tipps
Vorab: Bei Parosmie (falsche Geruchswahrnehmung) mildes Menü wählen – Reis, Naturjoghurt, gedämpftes Gemüse, geröstetes Brot.
Für Anosmie-Betroffene: Textur in den Vordergrund stellen.
1. Knusprige und knackige Speisen priorisieren
„Knusprig stimuliert das Kauen und macht interessanter“, rät Dr. Naidoo. Gehirngesunde Optionen: Karotten, Mandeln, Haselnüsse. Rohes Gemüse wie Brokkoli oder Rosenkohl erfordert Arbeit und liefert Ballaststoffe, sagt registrierte Ernährungsberaterin Ella Davar, R.D., CDN. Backen Sie Gemüse für Trockenheit und Knusprigkeit (siehe hier für inspirierende Blechgerichte).
2. Glatte, cremige Konsistenzen wählen
Für Beruhigung: Smoothies, Aufstriche, cremige Suppen. „Aus gegrillter Aubergine Babaganoush machen, Chia-Pudding statt Topping, Guacamole aus Avocado“, schlägt Dr. Naidoo vor.
3. Zwei bis drei Texturen pro Gericht mischen
Spitzenköche schwören darauf: Weiches (gekocht/warm), Stückiges (knackig/saftig), Fettiges (schmelzend). „Das sorgt für Sättigung“, erklärt Davar. Beispiele: Kürbissuppe mit geröstetem Blumenkohl und Kürbiskernen; Salat mit gerösteten Linsen oder Kichererbsen.
4. Jeden Bissen abwechslungsreich gestalten
Gemüse fein hacken, z. B. Fattoush-Salat: Knusprige Gurken, weiche Rüben, saftige Tomaten. „Das begeistert“, sagt Davar.
Zusammenfassung
Angesichts anhaltender Geruchs- und Geschmacksstörungen nach COVID wird Textur relevanter. Wichtig bleibt eine nährstoffreiche Ernährung. Wenn Textur Ihr Essen aufpeppt und Sie vitaler fühlen lässt – nutzen Sie es.
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