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Ethoxyquin in Fisch: Wie das Antioxidans aus Tierfutter in unsere Nahrung gelangt

Ethoxyquin ist ein synthetisches Antioxidans, das in Lebensmitteln nicht direkt verwendet werden darf. Dennoch findet es sich in Fischen wieder – erfahren Sie hier, warum es trotz Verbots ein relevantes Thema bleibt.

Als künstlich hergestelltes Antioxidans schützt Ethoxyquin Fette vor Oxidation durch Sauerstoff. In Tierfutter wie Fischmehl (E324) wird es noch häufig eingesetzt.

  • Greenpeace erklärt: Es stabilisiert Fettsäuren und fettlösliche Vitamine, sodass Fischmehl lange Transport- und Lagerzeiten übersteht.
  • Zudem verhindert es die Selbstentzündung von Fischmehl.

In der kommerziellen Fischzucht basiert das Futter in Aquakulturen oft auf Fischmehl. Laut WWF stammt rund 90 Prozent des Supermarkt-Lachses aus solchen Anlagen.

Der Einsatz von Ethoxyquin im Fischfutter ist hochumstritten: Die Substanz und ihre Abbauprodukte lagern sich im Fischfleisch ab und gelangen so in die menschliche Nahrung. Studien deuten auf mögliche Krebsrisiken und Leberschäden hin.

Die Gesundheitsrisiken von Ethoxyquin

Forscher warnen vor Risiken durch Ethoxyquin im Tierfutter, doch die genaue Auswirkung ist noch nicht abschließend geklärt.

  • Krebs und Leberschäden: Nach Greenpeace weisen Studien auf Störungen des Leberstoffwechsels oder krebserregende Effekte hin.
  • Nieren- und Schilddrüsenprobleme: Tierversuche lassen Beeinträchtigungen vermuten, so Greenpeace.
  • Die Auswirkungen auf das Erbgut sind umstritten.

Tiere bauen Ethoxyquin teilweise ab, doch Rückstände und Metaboliten bleiben im Fleisch. Beim Verzehr nehmen Menschen diese auf. Aktuelle Forschung prüft, ob einzelne Abbauprodukte oder die gesamte Substanzgruppe schädlich sind.

  • Eine Greenpeace-Expertise warnt vor langfristigen Gesundheitsrisiken bei hohen Belastungen und schließt krebserregende Wirkungen nicht aus.
  • Die EFSA identifizierte das Abbauprodukt Ethoxyquin-Chinonimin als schädlich, konnte aber für Ethoxyquin selbst keine Risiken nachweisen.

Ethoxyquin in der Aquakultur

Studien zeigen oft hohe Ethoxyquin-Belastungen in Zuchtfischen. Der Grenzwert für Fleisch wird angewendet, seine Eignung für Fisch ist unklar. Abbauprodukte im Muskelfleisch sind besonders kritisch – Greenpeace fordert Richtwerte dafür.

Bereits 2016 warnte Greenpeace vor Ethoxyquin in Lachs aus Aquakultur. Konventionelle Produkte waren stark belastet, wahrscheinlich durch Fischmehl-Futter.

  • 32 von 38 Proben aus konventioneller Aquakultur überschritten den EU-Grenzwert für Fleisch deutlich; eine Lachsprobe um das 17-Fache.
  • Bio-Produkte lagen bis auf eine Ausnahme darunter.

Ethoxyquin im Fischfutter: Eine Gesetzeslücke

Trotz Bekanntheit der Risiken verbietet die EU Ethoxyquin nicht direkt in Lebensmitteln, wohl aber indirekt über Tierfutter – hier fehlt Klarheit.

  • 2012: EU stuft es als gefährliche Chemikalie ein und verbietet es als Pestizid.
  • 2014: Rückstandshöchstwert von 50 Mikrogramm/kg für viele Lebensmittel; Fisch fehlt auf der Liste.
  • 2015: EFSA-Untersuchung ergab unzureichende Daten für abschließende Bewertung.
  • 2017: Vorläufige Aussetzung der Zulassung in Tierfutter bis März 2020.
  • 2020: Verbot sollte gelten, wird aber nach Industrie-Studie erneut geprüft (EU-Abgeordneter Klaus Bucher).

So vermeiden Sie Ethoxyquin

Fisch ist gesünder als Fleisch, doch mäßigen Sie den Konsum. Greenpeace sieht bei 1–2 Portionen pro Woche kein hohes Risiko. Wählen Sie Wildfang wie Wildlachs oder Bio-Fisch – letzterer minimiert Belastungen.

Die Verbraucherzentrale rät zu Biosiegeln wie EU-Biosiegel, Naturland oder Bioland. Naturland erlaubt z. B. maximal 30 % Fischmehl/-öl nur für Lachs/Forelle.

Greenpeaces Fischratgeber hilft mit Ampelfarben für Nachhaltigkeit, Herkunft und Fangmethoden.

Neben Ethoxyquin sprechen Umweltrisiken gegen konventionelle Aquakultur:

  • WWF: Enge Käfige stressen Fische, fördern Krankheiten – Futter enthält Chemikalien/Antibiotika.
  • Greenpeace: Futterreste und Exkremente verschmutzen Meere.

Greenpeace betont: Fisch macht nicht die einzige Ethoxyquin-Quelle aus. Rückstände finden sich in Fischöl, tierischen Fetten, Paprika/Chilipulver, Äpfeln/Birnen (Schalenschutz). Häufiger Konsum summiert Mengen.